Technikartikel · Gerätevergleiche
Victron MultiPlus oder Bluetti RV5
Zwei entgegengesetzte Arten, die Bordanlage zu bauen: der einzelne Baustein und das 48-V-Komplettsystem, mit den Angaben der Hersteller und dem, was im Stand wirklich zählt.
Warum die Systemspannung alles andere entscheidet
Im Wohnmobil wurde immer mit 12 V gearbeitet, weil das Fahrzeug mit 12 V arbeitet, aber Leistung bezahlt man in Strom, und Strom bezahlt man in Kupfer. Dieselbe Last von tausend Watt verlangt 83 A bei 12 V, 42 A bei 24 V und 21 A bei 48 V, und aus dieser Zahl folgen Kabelquerschnitte, Sicherungskosten und die Energie, die unterwegs verloren geht.
- Der Verlust im Kabel wächst mit dem Quadrat des Stroms: halber Strom bedeutet ein Viertel Verlust
- Bei 12 V verlangt ein Wechselrichter mit 2.000 W Kabel von 25 bis 35 Quadratmillimetern, bei 48 V reichen 6 bis 10
- Unsaubere Verbindungen werden bei hohem Strom heiß, und dort beginnen die ernsten Schäden
- Höhere Spannung heißt allerdings einen Wandler mehr für die 12-V-Verbraucher des Fahrzeugs
Victron MultiPlus: der Baustein
Der MultiPlus ist ein Wechselrichter mit Ladegerät und sonst nichts, und das ist zugleich seine Grenze und seine Stärke: Das Solar übernimmt ein eigener MPPT, die Lichtmaschine ein eigener Wandler, und jedes Teil wird für sich gewählt und ersetzt. Die Zahlen stammen vom Hersteller und gelten für die beiden Modelle, die im Wohnmobil Sinn ergeben.
- 12/3000/120: 2.400 W Dauerleistung bei 25 Grad, 2.200 W bei 40 Grad, 6.000 W Spitze
- 12/3000/120: Ladegerät mit 120 A bei 12 V, also rund 1.440 W, und Umschalter mit 50 A
- 24/5000/120: 4.000 W Dauerleistung bei 25 Grad, 10.000 W Spitze, Umschalter mit 100 A
- Zulässige Eingangsspannung beim 12-V-Modell: 9,5 bis 17 V
- Umschaltung von Netz auf Batterie in weniger als 20 ms, der Rechner merkt nichts davon
- Solar und Lichtmaschine sind nicht dabei: dafür braucht es einen MPPT und einen Wandler extra
Bluetti RV5: das Komplettsystem mit 48 V
Der RV5 steht am anderen Ende: ein einziges Gerät, das Wechselrichter, Netzladegerät, Solar-MPPT, Lichtmaschinenlader und Abwärtswandler auf 12 V für die Bordverbraucher in einem ist. Der Einbau geht viel schneller und mit viel weniger Kabel, und dafür nimmt man in Kauf, dass diese fünf Aufgaben ein einziges Gerät einer einzigen Marke erledigt. Die Zahlen sind die von Bluetti angegebenen, geprüft im August 2026.
- System mit nominal 51,2 V, das alle 48 V nennen
- Wechselrichter mit 5.000 W, Umschaltung in weniger als 20 ms
- Netzladung bis 5.000 W, einstellbar
- Zwei Gleichstromeingänge, PV1 und PV2, je bis 1.800 W und 50 A, 12 bis 50 V
- Lichtmaschinenladung bis 1.200 W über den Anschluss PV2, 600 W bei einem 12-V-Bordnetz
- Gleichstromausgang für die Verbraucher: 100 A bei 12 V, also 1.360 W, oder 60 A bei 24 V, also 1.620 W
- Die Batterien sind nicht dabei und stammen von derselben Marke, mit 51,2 V
Die zwei Anschlüsse und die Wahl zwischen Sonne und Lichtmaschine
Es gibt zwei Gleichstromeingänge, PV1 und PV2, und jeder nimmt bis zu 1.800 W: das sind 3.600 W Module, wenn man beide der Sonne widmet. PV2 ist aber zugleich der Anschluss für die Lichtmaschine, und er wird in der App dem einen oder dem anderen zugewiesen, nicht beiden zugleich. Die Wahl ist also echt: entweder 3.600 W Solar oder 1.800 W Solar und dazu bis zu 1.200 W von der Lichtmaschine während der Fahrt. Wer viel unterwegs ist, fährt mit dem Zweiten besser, wer tagelang in der Sonne steht, mit dem Ersten.
PowerAssist: die Funktion, die Abende auf dem Platz verändert
Sie ist der Grund, warum viele Victron wählen und es nicht bereuen. Wenn die Verbraucher die Grenze der Säule überschreiten, ergänzt der Wechselrichter die fehlende Leistung aus der Batterie, statt den Automaten auslösen zu lassen. In der Praxis verhält sich eine 6-A-Säule wie eine viel großzügigere, und man hört auf zu rechnen, was man ausschalten muss, bevor man den Föhn einschaltet.
- Die häufigsten Säulen liefern 6 A, also 1.380 W, und 10 A, also 2.300 W
- Eine Mikrowelle verlangt 1.000 bis 1.400 W, ein Föhn 1.500 bis 2.000 W, ein Induktionsfeld 2.000 W
- Bei einer Grenze von 6 A und 3.150 W eingeschalteter Last deckt die Batterie 1.770 W, solange es nötig ist
- Die Grenze wird am Panel eingestellt und muss der wirklichen Grenze der Säule entsprechen
- Der RV5 nennt eine ähnliche Funktion, mit weniger Feineinstellung und weniger Kontrolle in Echtzeit
Einbau: zwei Philosophien, zwei sehr verschiedene Tage
Eine Victron-Anlage will geplant werden: Querschnitte, Sicherungen, MPPT, Wandler für die Lichtmaschine, und die Konfiguration läuft am Rechner mit dem passenden Kabel. Der RV5 ist fast anschließen und einschalten, mit der App statt der Software, und für viele ist das der eigentliche Grund für die Wahl.
- Victron: mehr Teile, mehr Kabel, mehr Zeit, aber jedes Teil wird einzeln ersetzt, wenn es ausfällt
- Victron: Konfiguration am Rechner, Überwachung am Panel oder aus der Ferne
- RV5: ein Gerät, weniger Verkabelung, Konfiguration über die App
- RV5: fällt das Gerät aus, steht alles zugleich, weil alles darin steckt
- In beiden Fällen sind Hauptsicherung, Trennschalter und Kabelquerschnitte keine Option
Wie man wählt
Es gibt keinen Sieger: Es gibt zwei verschiedene Anlagen für zwei verschiedene Arten, mit dem Wohnmobil zu leben. Die nützliche Frage ist nicht, welche besser ist, sondern wie oft man an der Säule steht und wie sehr man selbst in die Anlage greifen will.
- Wer oft auf Plätzen mit schwachen Säulen steht: Victron, wegen PowerAssist
- Wer viel Leistung bei kleinen Strömen will und Platz für eine eigene Batterie hat: Victron mit 24 V
- Wer eine neue Anlage will, schnell eingebaut und vom Telefon gesteuert: der RV5
- Wer viele 12-V-Verbraucher hat: auf die Grenze von 1.360 W am Ausgang des RV5 achten
- Wem die Reparierbarkeit über die Jahre wichtig ist: getrennte Teile altern besser als ein Komplettgerät
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