Der Schnee fällt leise auf die Dächer von Bruneck, während die frostige Luft den Duft von brennendem Holz aus den Öfen der Altstadt heranträgt. Sie sind gerade aus Ihrem Wohnmobil gestiegen, das auf dem Stellplatz Bruneck Nord geparkt ist, und der Tag beginnt mit einem Versprechen: den Schlosshof zu erklimmen, um jenen Völkern zu begegnen, die seit Jahrtausenden die Gebirge der Welt bewohnen. Schloss Bruneck, dessen Türme aus den verschneiten Wiesen ragen, bewahrt etwas Seltenes: nicht nur mittelalterliche Mauern und bischöfliche Fresken, sondern die Stimmen, Gesichter und Traditionen der Sherpa, Mongolen, Tuareg, Andenvölker und all jener Kulturen, die die Berge zu ihrer Heimat, ihrer Kultur und ihrer Quelle der Resilienz gemacht haben. Das MMM Ripa – das fünfte Museum des von Reinhold Messner gegründeten Rundgangs – erwartet Sie zu einer Reise, die nicht den Raum, sondern die Zeit und die Menschlichkeit durchquert.
Vom Wohnmobil zum Schloss: Ein Spaziergang im Herzen von Bruneck
Der Weg vom Wohnmobilstellplatz Bruneck Nord zum Schloss ist kurz, aber bezaubernd: etwa 15-20 Minuten zu Fuß durch das historische Zentrum. Verlassen Sie den Parkplatz und gehen Sie in Richtung Zentrum, indem Sie der Beschilderung zur Stadtgasse (Via Centrale) folgen. Im Winter sind die Schaufenster festlich beleuchtet, und die Atmosphäre ist die eines Alpendorfes, das die kalte Jahreszeit gelassen annimmt.
Passieren Sie das Rainertor und tauchen Sie ein in die Stadtgasse mit ihren farbenfrohen Fassaden, den im Wind knarrenden schmiedeeisernen Zunftzeichen und den Handwerksbetrieben, die Loden, Speck und bemalte Keramik verkaufen. Gehen Sie bis zum Ende der Fußgängerzone und verlassen Sie diese durch das Ursulinentor. Von hier aus ist das Schloss auf dem gegenüberliegenden Hügel bereits sichtbar.
Der Pfad, der zum Schloss hinaufführt, beginnt direkt am Fuße des Hügels: eine Panorama-Route, die leicht bergauf durch Wiesen und Bäume verläuft. Im Winter ist jedoch Vorsicht geboten: Der Weg kann verschneit oder vereist sein. Wir empfehlen Ihnen, Schuhe mit rutschfester Sohle zu tragen oder, noch besser, Grödel mitzunehmen, die Sie unter Ihren Stiefeln befestigen können. Der Aufstieg dauert 10-15 Minuten und wird, wenn die Schneedecke fest ist, zu einem kleinen Abenteuer, das Sie mit einem immer weiteren Ausblick über die Stadt und das Tal belohnt.
Während Sie aufsteigen, offenbart sich Bruneck zu Ihren Füßen: die verschneiten Dächer, der Kirchturm der Pfarrkirche und die Berge des Ahrntals im Hintergrund. Die Luft ist kalt und rein, die Stille wird nur von Ihrem Atem und dem Knirschen des Schnees unter den Füßen unterbrochen. Wenn Sie das Schloss erreichen, schlägt Ihr Herz ein wenig schneller – nicht nur vor Anstrengung, sondern vor Vorfreude auf das, was Sie erwartet.
Holzskulptur
Messner Mountain Museum (MMM) Firmian
Das Schloss und das Museum: Wo die Antike auf die Kulturen der Welt trifft
Schloss Bruneck wurde im 13. Jahrhundert von Bischof Bruno von Kirchberg erbaut, der seinen Besitz im Pustertal schützen wollte und damit den Grundstein für die Stadt selbst legte. Jahrhundertelang war das Schloss die Sommerresidenz der Fürstbischöfe von Brixen: Jeder Bischof hinterließ hier seine Spuren, baute Mauern aus, fügte Zimmer hinzu und ließ Säle mit Fresken verzieren. Die Wappen der Bischöfe Albert von Enna, Ulrich Putsch und Andreas von Österreich schmücken noch heute die Mauern – stille Zeugen einer Macht, die nach Weihrauch und Politik schmeckte.
Im Jahr 2011 wurde das Schloss in neuem Gewand wiedergeboren: nicht mehr als Sitz der Mächtigen, sondern als Haus der Bergvölker. Reinhold Messner, der Südtiroler Bergsteiger, der alle vierzehn Achttausender der Welt bestiegen hat, verwandelte diese Mauern in eines der sechs Messner Mountain Museen. Das MMM Ripa – „Ripa“ bedeutet auf Tibetisch „Bergmensch“ – widmet sich Kulturen, die seit über 10.000 Jahren in Symbiose mit Gipfeln, Gletschern, Hochebenen und entlegenen Tälern in großen Höhen leben.
Die Renovierung des Schlosses war gewagt: Zeitgenössische Materialien wie behandeltes graues Holz, Glas und Stahl wurden neben die alten Steine gesetzt. Der Kontrast ist markant, aber wirkungsvoll, als ob Vergangenheit und Gegenwart ohne Scheu miteinander sprächen. Überqueren Sie die Holzbrücke, die in den Innenhof führt, und Sie finden sich in einem geschützten, stillen Raum wieder, in dem die Zeit langsamer zu vergehen scheint.
Kellergeschoss: Die Völker Afrikas und Ozeaniens
Der Museumsrundgang beginnt im Schlosskeller, wo die Atmosphäre kühl und intim ist. Hier begegnen Sie den Bergvölkern Afrikas und Ozeaniens: den Damara, den Massai, den Tuareg, den Dani. Es sind Kulturen, die ihr Leben an extreme Höhen, Gebirgswüsten und die nebligen Wälder von Papua-Neuguinea angepasst haben. Die ausgestellten Objekte erzählen Geschichten von Überleben und Erfindungsreichtum: Kleidung aus Leder und Fell, Jagdwaffen, Ritualmasken mit leuchtenden Farben und stechenden Augen. Jedes Zelt, jedes Utensil trägt Jahrhunderte alten Wissens in sich, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde.
Erster Stock: Kaukasus und Alpen
Steigen Sie in den ersten Stock hinauf, und der geografische Horizont verschiebt sich in Richtung Kaukasus und Alpen. Hier zeigen die kaukasischen Völker und die Walser – deutschsprachige Gemeinschaften, die in den Alpentälern leben –, wie das europäische Gebirge vom Menschen geprägt wurde. Sie entdecken Alltagsgegenstände: geschnitzte Wiegen aus Holz, landwirtschaftliche Geräte, schwere Wollgewänder, um den monatelangen Wintern zu trotzen. Eine der faszinierendsten Installationen ist die Rekonstruktion traditioneller Behausungen: mongolische Zelte, Jurten, Häuser aus Stein und Holz. Kinder lieben es, diese Strukturen zu betreten und hautnah zu erleben, wie die Menschen lebten – und in einigen Fällen bis heute leben.
Zweiter Stock: Religionen und Spiritualität
Im zweiten Stock widmet sich das Museum dem Thema der Bergreligionen. Hier sind die Gipfel nicht nur physische Hindernisse, sondern heilige Orte, Wohnstätten der Götter, Übergänge ins Jenseits. Sie finden Statuen des tibetischen Buddhas, holzgeschnitzte christliche Kreuze, animistische Fetische und Votivgaben, die von Pilgern und Bergsteigern auf den Gipfeln hinterlassen wurden. Es ist ein Raum, der zur Reflexion einlädt: Für diese Völker war der Berg nie nur Natur, die es zu erobern galt, sondern ein lebendiges Wesen, das es zu respektieren, zu fürchten und zu verehren gilt.
Turm: Tourismus und Panoramablick
Die letzte Station des Rundgangs ist der Schlossturm. Eine Holztreppe mit über 100 Stufen führt Sie zum Gipfel, wo sich ein atemberaubender Panoramablick eröffnet. Vom Turm aus überblicken Sie den Brunecker Talkessel, die Dreitausender des Ahrntals, den Kronplatz, der das Tal dominiert, und die an den Hängen klebenden Bergbauernhöfe. Im Winter ist die Landschaft eine weiße Weite, gesprenkelt mit Tannen und Häusern mit farbenfrohen Fassaden.
Doch der Turm beherbergt auch den letzten Abschnitt des Museums: den Alpentourismus. Hier stellt Messner eine unbequeme Frage: Was passiert, wenn der Berg zur Ware wird? Historische Fotografien zeigen die ersten viktorianischen Bergsteiger, die Pioniere der Dolomiten und die Karawanen aus Bergführern und Trägern. Und dann die Explosion des Massentourismus: Skilifte, Skipisten, Luxushotels. Das Museum urteilt nicht, sondern lädt zum Nachdenken ein: Kann der Berg diesem Druck standhalten? Überleben die Völker, die ihn seit Jahrtausenden bewohnen, oder werden sie von der Moderne weggefegt?
Hanuman, die hinduistische Affengottheit
große tibetisch-buddhistische Gebetsmühle
Praktische Tipps für Ihren Besuch
Öffnungszeiten (Wintersaison 2025/2026):
- Vom 7. Dezember 2025 bis zum 25. April 2026
- Täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr (letzter Einlass um 17:00 Uhr)
- Dienstags geschlossen + 24. und 25. Dezember
Preise (2025/2026):
- Erwachsene: 14 €
- Studenten/Senioren 65+/Gruppen (ab 15 Personen): 12 €
- Kinder und Jugendliche 6-18 Jahre: 6 €
- Familienkarte (2 Erwachsene + Kinder unter 14 Jahren): 32 €
- Familienkarte (1 Erwachsener + Kinder unter 14 Jahren): 18 €
- Kostenlos für Kinder unter 6 Jahren
MMM Tour-Ticket (Eintritt in alle 6 Messner-Museen):
- Erwachsene: 55 € | Ermäßigt: 45 € | Kinder 6-18: 25 € | Familie (2 Erwachsene + Kinder): 125 €
Dauer des Besuchs: Planen Sie 1–1,5 Stunden für das gesamte Museum ein, plus die Zeit für den Aufstieg zum Panoramaturm. Wenn Sie mit Kindern reisen, möchten diese vielleicht mehr Zeit in den interaktiven Installationen (Zelte, Jurten, Behausungen) verbringen.
Barrierefreiheit: Das Museum ist dank eines internen Aufzugs für Personen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Das Betreten mit sperrigen Trekkingrucksäcken oder Wanderstöcken ist nicht gestattet.
Was Sie mitbringen sollten:
- Warme Jacke: Im Schloss ist es kühl, auch bei eingeschalteter Heizung
- Schuhe mit rutschfester Sohle oder Grödel für den verschneiten Weg
- Kamera für die Aussicht vom Turm
Kontaktinformationen: 📍 Schloss Bruneck – 39031 Bruneck (BZ) 📞 +39 0474 410220 📧 ripa@messner-mountain-museum.it 🌐 messner-mountain-museum.it








